Die Fachstelle Nachhaltige Quartiere hatte die Gelegenheit, sich mit dem Verein Habitat Durable zusammenzutun, um ihren Mitgliedern eine Besichtigung des Ökoquartiers Pra Roman im Nordosten von Lausanne anzubieten. Wir danken Habitat Durable herzlich für die Einladung und die Organisation dieses Besuchs, der es den Teilnehmenden ermöglicht hat, ein in vielerlei Hinsicht beispielhaftes Projekt zu entdecken.
Pra Roman ist ein inspirierendes Beispiel für ein Ökoquartier, das sich auch im Freiburger Kontext – insbesondere hinsichtlich der Dichte und der Qualität der Gestaltung – sehr gut integrieren liesse.
Ein Quartier mit menschlichem Mass und gemischter Bevölkerung
Das Quartier beherbergt rund 250 Bewohnerinnen und Bewohner, verteilt auf 87 Wohnungen in 12 Gebäuden. Als gemischtes Quartier konzipiert, fördert Pra Roman:
Diese Vielfalt trägt zu einem lebendigen und inklusiven Lebensumfeld bei.
Ein Quartier der kurzen Wege und der sanften Mobilität
Pra Roman folgt dem Prinzip der kurzen Wege, sodass Alltagswege bequem zu Fuss oder mit dem Fahrrad zurückgelegt werden können. Es wurde zudem eine Ausnahmebewilligung beantragt, um die Anzahl Parkplätze zu reduzieren – ein klares Zeichen für die bewusste Einschränkung des Autoverkehrs.
Die Bewohnenden setzen dementsprechend stark auf aktive Mobilität, insbesondere auf das Fahrrad.
Ein grünes Quartier mit Engagement für die Biodiversität
Das Quartier wurde mit dem Binding-Preis 2023 für Biodiversität ausgezeichnet, was die hohe Qualität seiner ökologischen Gestaltung unterstreicht. Das Preisgeld ermöglicht unter anderem die Schaffung eines Teichs sowie die Entsiegelung bestimmter öffentlicher Flächen.
Diese Massnahmen stärken die Präsenz der Natur im Siedlungsraum und fördern die lokale Biodiversität zusätzlich.
Ein essbares und produktives Quartier
Pra Roman setzt Nachhaltigkeit konkret um und entwickelt eine „essbare“ und produktive Dimension durch:
Diese Initiativen stärken die Autonomie des Quartiers und fördern gleichzeitig den Austausch unter den Bewohnenden.
Ein partizipatives und kollaboratives Quartier
Die Mitwirkung der Bewohnenden steht im Zentrum des Projekts. Sie wurden bereits in der Planungsphase einbezogen und konnten ihren zukünftigen Lebensraum mitgestalten.
Heute wird das Quartierleben von einem Verein getragen, der in verschiedene Arbeitsgruppen organisiert ist (Garten, Velos, Werkstatt, Veranstaltungen). Diese partizipative Governance ermöglicht eine kollektive und dynamische Nutzung und Bewirtschaftung der Räume.
Mehrere Gemeinschaftsräume stehen zur Verfügung: Gästezimmer, Räume für Kurse und Aktivitäten sowie ein Festsaal.
Ein eigenes Budget für das Zusammenleben ermöglicht zudem die Organisation von Vorträgen, gemeinschaftlichen Essen und festlichen Anlässen.
Ein ressourcenschonendes und regional verankertes Quartier
Die Gebäude erfüllen hohe Standards, insbesondere mit dem Label Minergie-P. Beim Bau wurden bevorzugt lokale Ressourcen eingesetzt, wobei 60 % des Holzes aus der Region stammen. Dies trägt zur Reduktion des ökologischen Fussabdrucks bei.
Eine beispielhafte Projektumsetzung
Das Projekt Pra Roman basiert auf einer soliden und innovativen Struktur. Das Grundstück gehört der Stadt Lausanne, die sowohl einen Wettbewerb zur Auswahl einer Genossenschaft als auch einen Architekturwettbewerb organisiert hat.
Die künftigen Bewohnenden wurden von Anfang an in den Prozess eingebunden. Es wurden Koordinationsstellen geschaffen, um technische, soziale und kommunikative Aspekte zu begleiten und eine kohärente sowie partizipative Umsetzung zu gewährleisten.
Ein lehrreicher Besuch
Der Besuch hat gezeigt, wie ein Quartier die Prinzipien nachhaltiger Entwicklung konkret umsetzen kann: kontrollierte Dichte, Mitwirkung, Biodiversität, Ressourcenschonung und Solidarität.
Pra Roman bietet zahlreiche Ansatzpunkte und Inspirationen für zukünftige Projekte – insbesondere auch im Kanton Freiburg.
Möchten Sie an einer nächsten Besichtigung teilnehmen? Bleiben Sie über die Aktivitäten der Fachstelle Nachhaltige Quartiere informiert!